Kulturradio des rbb, 23.12.2013

Bewertung: 5 Sterne
(…)
Oder liegts am musikalisch sehr guten Zustand, in dem die Komische Oper derzeit ist? Die konzertante Aufführung der Herzogin von Chicago jedenfalls wurde in großem Stil durchgejubelt und bepfiffen. Zu Recht, denn der Abend gibt sich rasend voranpreschend, zackig, ein bisschen zynisch sogar, ohne preußischen Exerzier-Drill. Neue Perspektiven für die Operette. (…)

Florian Ziemen macht den Unterschied
Ob Operette gelingt oder nicht, hängt vor allem – um das Geheimnis hier endlich einmal zu lüften – vom Dirigenten ab. Mit Florian Ziemen, sonst GMD in Gießen, zieht man tatsächlich einen Joker aus dem Ärmel. Er pfeffert ziemlich Juckpulver zwischen die Reihen. Es ist ein großstädtisch vergröberter, Beine machender, schießwütig dahinstürmender Kalman. Einigen war das zu steil. Ich mochte es, weil es dem csardasverliebten Kalman alle k.u.k.-Provinzialität austreibt. Eine Portion dreckiger, aggressiver, wie es dem Stil des Hauses entspricht.

Nie steif, nie bieder
Das Wunder der Aufführung besteht – auch das geht zum Teil aufs Konto des Dirigenten – in vorzüglich animierten Sängern. (…)
Kai Luehrs-Kaiser

Operalounge, 24.12.2013

Gewinner des Abends – der Dirigent Florian Ziemen (…)
Aber im Ernst, es war auch ein schmissiger Abend dank des kurzfristig eingesprungenen Florian Ziemen am Pult, der aber wirklich alles aus dem fabelhaften Orchester und Chor herausholte, der durch die Amerikanismen fetzte, dass den Chinoiserien an den Saalwänden die Schirme aus den Händen fielen, und der dicke Salamischeiben auf die ungaresken trans-sylvarischen Kitschorgien häufte – absolut orgiastisch! Er und der tolle Buffo (Tom Erik Lie) waren die stabilen Garanten an professioneller Qualität, daran ist nichts zu deuteln. Ziemen ließ schmalzen und schmelzen und jagte seine Mann-/Frauschaft in zum Teil abenteuerlichem Tempo durch die Musik, stets gut gelaunt und stets ein wachsamer Begleiter seiner Künstler, rasant! Zumal er auch den nötigen Valeurs Raum gab und dynamisch kleine Wunder schaffte. (…)
Meine Stars waren, wie bereits geschrieben, der beeindruckende Dirigent und Tom Erik Lie als Privatsekretär James Bondy
Geerd Heinsen

Die Welt, 1.1.2014

Währenddessen amüsierte sich in Berlin Gayle Tufts als conférencefreudige Freundin der Kálmánschen “Herzogin von Chicago” semikonzertant in der Komischen Oper, wo vor allem Florian Ziemen als eminenter Operettendompteur am Pult zu genießen war.
Manuel Brug

Klassik.com, 23.12.2013

Florian Ziemen dirigiert ‘Herzogin von Chicago': A Star Is Born
Es ist mir selten ein solches Vergnügen, von einer Operettenpremiere zu berichten wie in diesem Fall. Denn nicht nur hat die Komische Oper Berlin mit Emmerich Kalmans Charleston-Operette ‘Die Herzogin von Chicago’ (1928) eines der fulminantesten Werke aus dem “Jazz Age” des Genres konzertant auf die Bühne gebracht, sondern mit dem Last-Minute-Einspringer am Dirigentenpult, Florian Ziemen, auch einen jungen Künstler aufgeboten, der tatsächlich in der Lage ist, die komponierte Jazz-Ekstase in diesem Werk hörbar zu machen, mit echtem Stilgefühl, Drive und unwiderstehlichem Draufgängertum. Mit anderen Worten: Das Orchester der Komischen Oper klang an diesem Abend phänomenal, wie ein funkelnder Klangteppich, in dem die Klavier- und Celesta-Kaskaden zusammen mit der Rhythmusgruppe, den Saxophonen und Holzbläsern wie berauschende Juwelen aufklangen und ihre verführerische Wirkung entfachten. Ziemen entfachte schon im Allegro-Vorspiel (‘Charleston, Charleston, tanzt man heut!’) einen mit Rasseln und Trillerpfeifen angereicherten Klangsturm, der in der Operettengeschichte seinesgleichen sucht; auch sonst sorgte er dafür, dass die instrumentalen Besonderheiten (Banjo, Zymbal, Xylophon, Jazzpiano etc.) dieser Partitur immer heraus hörbar bleiben und nicht in einer Operettengeigensoße untergehen. Wenn dieser Abend ein Judy-Garland-Film wäre, würde ich sagen: “A Star Was Born.” Auf alle Fälle war das ein bemerkenswertes Berlin-Debüt eines vielversprechenden Dirigenten. (…)
Bei so viel Orchesterglück und klanglicher Brillanz – und einer so hinreißenden Moderatorin wie Gayle Tufts – schmerzte es mich schon, dass dieses ursprünglich fast fünf Stunden lange Stück (bei der Uraufführung 1928) auf radikale 90 Minuten gekürzt wurde. Mit anderen Worten: Es fehlte fast die Hälfte der Musik. Mit Ziemen am Pult hätte ich die durchaus gern gehört. (…)
Kalmans aus den Los Angeles angereiste Tochter Yvonne sagte bei der Premierenfeier gerührt, dass ihr die Vorstellung so gut gefallen habe, dass sie ihre Rückreise verschoben habe, um am 30. wieder reinzugehen. Das werde ich auch tun, denn derart genial dirigierte Jazzoperette gibt’s nicht alle Tage zu hören. Bitte mehr davon!
Dr. Kevin Clarke

Der Opernfreund, 4.10.2013

Herausstechendes Dirigat in der Urfassung
Wie Florian Ziemen der musikalische Leiter der jetzigen Gießener Produktion, in seinem Beitrag zum Programmheft durchklingen lässt, hält er die Bearbeitungen für „Verschlimmbesserungen“ und kehrt daher ganz konsequent zur Urfassung zurück, wobei er auch auf Originalblasinstrumenten spielen lässt: Naturhörner und Naturtrompeten gemischt mit Ventilinstrumenten und statt der 1841 noch gar nicht eingeführten Basstuba eine Ophikleide. Nun klingt das Philharmonische Orchester Gießen tatsächlich ganz anders, kein „deutscher “, sondern mit wenig Vibrato ein wesentlich schlankerer und auch etwas herberer Klang. Wenn auch einige Musiker hier und da mit den schwerer zu spielenden Naturinstrumenten hörbar zu kämpfen hatten, geriet der Klangeindruck zusammen mit der prägnanten und filigranen Ausdeutung der Partitur durch den Dirigenten zum eigentlichen Höhepunkt des Abends. Ziemen legt auch das musikalische Beziehungsgeflecht der Partitur offen. Die bewegt sich nicht nur zwischen Freischütz und Tannhäuser, sondern hier werden die Einflüsse aus der französischen Grand Opéra, aber vor allem aus der gerade zu Ende gehenden Belcanto-Epoche mit Bellini und Donizetti durchhörbar. Die schöne Strukturierung wird schon in der Exposition der Hauptthemen in der Ouvertüre deutlich. Die ausdifferenzierten Färbungen, die Dynamik und vor allem die transparent gemachte Instrumentierung machte das Dirigat zu einem echten Hinhörer. Wunderbar die Echoeffekte mit der Hinterbühnenmusik zu Beginn des ersten Akts.
Manfred Langer

Der Opernfreund, 17.11.2013

(…) Hier konnte man jetzt den ursprünglichen Wagner in all seiner Radikalität und Unerbittlichkeit erst so richtig kennenlernen, denn im Gegensatz zu anderen Häusern, die die Urfassung bisher gespielt haben, kamen in Gießen teilweise historische Instrumente zum Einsatz, was einen gänzlich neuen Klangeindruck ergab. Das Philharmonische Orchester Gießen spielte mit einem Minimum an Vibrato, wodurch die romantische Komponente aus heutiger Sicht etwas zurückgedrängt wurde. Zudem wurden bei den Bläsern teilweise historische Instrumente eingesetzt. Zu zwei Ventilhörnern gesellten sich zwei Naturhörner. An die Stelle der Tuba trat die ursprüngliche Ophikleide. Zeitweilig auftretende kleine Unebenheiten in der Tongebung belegten, dass die Spieler mit diesen ihnen ungewohnten neuen Instrumenten noch nicht so ganz vertraut waren. Daraus resultierte ein nüchtern und gedämpft wirkendes Klangbild, das wenig farbenreich war und dessen Ecken und Kanten von Florian Ziemen bewusst betont wurden. Aber nicht nur auf diese Weise schaffte es der Dirigent, Wagners frühen Intentionen trefflich gerecht zu werden. Auch mit den ungewöhnlich rasch und rasant gewählten Tempi, aufgrund derer die ungekürzte Aufführung nach nur 129 Minuten zu Ende war, trat er ganz in das Fahrwasser des Komponisten. Damit verbunden war eine immense Steigerung der musikalischen Spannung. Wagner hätte an ihm wohl seine helle Freude gehabt. Nachteilig wirkte sich indes aus, dass beispielsweise bei dem den ersten Aufzug beschließenden Chor „Mit Gewitter und Sturm“ die Fermaten gänzlich eliminiert und den Choristen an diesen Stellen kein Raum zum schönen Ausphrasieren der Schlusstöne gegeben wurde, die praktisch nur angerissen wurden. Obwohl die aufgebotenen historischen Blasinstrumente in ihrer Lautstärke etwas beschränkt waren, was bei diesen eine manchmal etwas gestopft wirkende Intonation zur Folge hatte, erzeugte Ziemen häufig umwerfende dramatische Ausbrüche des gesamten Orchesterapparates, in denen die Gesangssolisten indes nie untergingen.
Fazit: Wieder einmal hat sich die Fahrt nach Gießen vollauf gelohnt. Der Besuch dieser hervorragenden Aufführung wird jedem Opernfreund dringend ans Herz gelegt.
Ludwig Steinbach

Giessener Anzeiger, 23.9.2013

Die Mission Wagner des Stadttheaters anlässlich des Jubiläumsjahres des Wahl-Bayreuthers ist gelungen – ohne Wenn und Aber. (…) Und natürlich dank des von Florian Ziemen dirigierten Philharmonischen Orchesters, das im Graben ein ums andre Mal die Naturgewalten im “Holländer” entfesselt. Übrigens: Mit den Ursprünglich von Wagner vorgesehenen Instrumenten wie Naturhörnern gelingt es, das Wuchtige, Kantige dieser frühen Oper des Komponisten wirklich gut rüberzubringen. (…)

Neue Musikzeitung, 6.2.2013

(…) Das Libretto ist eine erstaunliche Anhäufung großer Gefühle, hastig-brüchiger Handlungsstränge und tiefer Plausibilitätslücken, über die das Publikum behutsam hinweg geleitet werden muss. Diese Aufgabe übernimmt das geschmeidig agierende Philharmonische Orchester Gießen unter der Leitung von Florian Ziemen, der auch an der Partitur manches an umsichtiger Rekonstruktions- und Einrichtungs-Arbeit geleistet hat. Er hat nicht das himmelschreiende Pathos getilgt, mit dem Gomes emotionale Situationen pointiert, sondern spielt diese Qualitäten farbintensiv und zuweilen mit unüberhörbarer Lust an der maßvollen Übertreibung aus. Er glättet nichts, er unterstützt und fordert mannschafts- und werkdienlich. (…) Die philharmonische Band im Graben rast. Auf der Bühne stürmen die Gefühle in den Himmel.
Hans-Jürgen Linke

Opernwelt, März 2013

(…) Die Überzeichnung harmoniert gut mit der Turbo-Dramatik der Musik, die als Werk des Übergangs zum Verismo noch in Fragmenten die alte Operngrammatik benutzt, aber selten zu großen Formen findet: Im Wellenschlag der originellen Orchestrierung und zahlreicher melodischer Einfälle scheint die Musik immer wieder Kommendes anzutäuschen, das aber dann doch nicht stattfindet. (…) Der neue stellvertretende GMD Florian Ziemen setzt auf Vitalität und Analyse, wo andere vielleicht mit Schmalz die Verwerfungen des Stücks zuzudecken versucht hätten: Diese “Fosca” hat Mut zur Lücke und ist damit entwaffnend ehrlich geraten.
Claus Ambrosius

Opernwelt, Februar 2013

Zurück zu den Quellen: Wie das Badische Staatstheater in Karlsruhe Künnekes Vetter aus Dingsda vom musikalischen Muff befreit
Wer historisch informierte Aufführungspraxis sagt, meint in der Regel nicht die Operette. Dass indes Werke des Unterhaltungstheaters des späten 19. und 20. Jahrhunderts durch Bearbeitungen nicht selten ihrem Originalklang schnell entwöhnt wurden, ist zwar keine neue Erkenntnis, interessiert aber in der Regel wenig. Das gilt nicht für Florian Ziemen. Der stellvertretende Gießener Generalmusikdirektor sucht nach den Wurzeln. Und sorgt damit für ganz unmittelbare Erfahrungen, wie im Falle seines Dirigats von Eduard Künnekes Vetter aus Dingsda am Badischen Staatstheater in Karlsruhe.
Die Quellensituation in der Unterhaltungskunst des frühen 20. Jahrhunderts ist alles andere als einfach, und so hat Ziemen im Künneke-Nachlass in Berlin recherchiert, nach originalem Notenmaterial gesucht, historische Aufnahmen gehört. Mit hörbarem Ergebnis: Der Sound, den die Badische Staatskapelle hervorzaubert, zeigt die Instrumentationskünste des Komponisten weit unverblümter und radikaler als in den verwässerten Aufnahmen der 1950er- und 1960er-Jahre überliefert. Mal klingt’s nach Jazz aus den Roaring Twenties, mal nach Film (in den Melodram-Passagen), mal nach sinnlicher Operette à la Lehár, dann wieder – in den großen Ensembles – nach spätromantischer oder expressionistischer Oper, Musik zwischen Humperdinck und Schreker. (…)

Badische Zeitung, 12.12.2012

(…)Trotzdem gebührt das womöglich größte Kompliment beim Produktionsteam dem Dirigenten. Denn dieser, der stellvertretende Gießener Generalmusikdirektor Florian Ziemen, dirigiert nicht einfach so Operette. Die Rede ist von “historischer Aufführungspraxis” – kein zu hochtrabender Begriff. Auch wenn es noch so verblüffen mag: Die Quellensituation in der Unterhaltungskunst des frühen 20. Jahrhunderts ist alles andere als einfach, und so hat Ziemen in den Archiven mühsam recherchiert, nach originalem Notenmaterial gesucht, historische Aufnahmen angehört. Mit hörbarem Ergebnis: Der Künneke-Sound, den die Badische Staatskapelle hervorzaubert, passt zum Zauberschloss in der Operette. Mal klingt’s nach Jazz, mal nach Film (in den Melodram-Passagen) mal nach sinnlicher Operette und dann auch wieder in den großen Ensembles nach der Oper der Spätromantik und des Expressionismus zwischen Humperdinck und Schreker.
Vor allem in der Kunst der permanenten Temposchwankungen – Rubati – zeigen Ziemen und die Musiker großes Geschick. Und die Sänger haben spürbar Spaß an der nur scheinbar so trivialen Operette. (…)
Alexander Dick

Der neue Merker, 8.3.2013

(…) gibt es im Orchestergraben eine Erleuchtung ganz eigener Art: Florian Ziemen, der an seinem Stammhaus Gießen im Herbst Abrahams „Viktoria und ihr Husar“ musikalisch rehabilitiert hat, nimmt sich in Karlsruhe nun des „Vetters“ in einer historisch-kritischen Lesart an. Er hat die autographe Partitur aus Künnekes Nachlass in Berlin eingesehen und zeitgenössische Film- und Plattenaufnahmen gesichtet, um sich so nah wie möglich an den ursprünglichen Sound der Operette heranzuarbeiten.
Das Ergebnis ist – ähnlich wie in Gießen – überwältigend: Nichts mehr von der sentimentalischen Himbeersoße der Bearbeitungen, die wir auf so gut wie allen Aufnahmen zu hören bekommen. Sondern ein reich differenziertes Klangbild, moderne harmonische Reibungen im vielfältig ausgearbeiteten Orchestersatz, farbiger Einsatz von Bläsern und Schlagwerk, rhythmisch geschärfte, swingende Artikulation, klare Konturen und die zündende Erotik der Modetänze von 1921. Das Karlsruher Orchester ist in allem voll dabei und Künnekes Anliegen gewachsen.
Werner Häußner

Neue Musikzeitung, 13.12.2010

Eduard Künnekes “Der Vetter aus Dingsda” in einer beispielhaften neuen Sicht am Theater Bremen
Der Dirigent Florian Ziemen, der neue “erste koordinierte Kapellmeister” am Theater Bremen ist fest davon überzeugt, dass die Operette der Zwanziger Jahre etwas ganz anderes war, als das Bild der süßlichen Operette, das sich im Nachkriegsdeutschland entwickelt hat. (…)
Ziemen hatte für seine erste eigene Bremer Produktion das Manuskript des Komponisten eingesehen und danach ein vielseitige, scharfe, komische, immer gut sitzende Musik entwickelt, die mehr zu tun hat mit dem Musical und dem Kabarett. (…) Dem Bremer Frank Hilbrich gelingt mit der unverzichtbaren Choreographie von Jaqueline Davenport und dem einfach schönen Bühnenbild von Volker Thiele, vor allem aber mit der unberechenbaren Musik durch Florian Ziemen ein ganz großer Wurf.
Ute Schalz-Laurenze

Taz, 16.12.2010

Die Rettung der Operette
(…) Hilbrich und Dirigent Florian Ziemen bemühten sich um eine “historisch informierte Aufführungspraxis”, also um akribisches Quellenstudium und Kontexterforschung. Dabei lauschten sie nicht nur zahllosen Schellackplatten, sondern fanden sogar das Autograph der 1921 uraufgeführten Partitur – und kreierten daraus eine von viel späterem Schwulst befreite “Vetter”-Fassung.
Konsequent hat Ziemen darauf verzichtet, das Stück wie eine Oper zu besetzen. Und damit, wie er sagt, “zur B-Klasse in derselben Liga zu machen”. Um der genuinen Dynamik des Genres eine Chance zu geben, hat er die Hauptrolle des “Ersten Fremden” mit dem Musical- und Chansonsänger Alen Hodzovic besetzt. Das Ergebnis ist brillant!
Andreas Schnell

klassik.com, 12.12.2010

Mit einem Wort: Perfekt!
(…) Auch spielt das Orchester so, dass man meint, Künneke ganz frisch zu hören. Das liegt dran, dass Florian Ziemen sich die handschriftliche Originalpartitur organisiert hat und aus dieser dirigiert. Es liegt auch daran, dass er diese Partitur ohne die üblichen Striche fast vollständig spielt. Mehr noch, er spielt sie, wie man das von historischen Aufnahmen kennt: rhythmisch flexibel, mit wunderbarer Rubato-Kultur und mit knallig federnden Höhepunkten. Diese Nummern sprühen und spritzen nur so vor Lebenslust. Und ich finde, es wäre höchste Zeit, dass Künnekes populäres Stück einmal so auf CD gebannt würde. Bislang gibts auf Tonträger nichts vergleichbares. Ziemen setzt auch wiederholt Geräusche ein, wie man sie aus Stummfilm-Partituren kennt: Pfeifen, Rattern, Quietschen usw. Dadurch bekommt der Abend eine eine Überzeugungskraft wie ich sie selten erlebt habe. (…) Fazit: das war eine der überzeugendsten Operettenproduktionen, die man sich denken kann, vor allem weil wirklich alles zusammenpasste und stimmte. (…) Und dass das Resultat so selbstverständlich daher kommt, dass man sich fragt, warum Operetten eigentlich nicht immer so gespielt werden?
Dr. Kevin Clarke

Bild, 12.10.2010

Großartiges Feuerwerk an Spitzen, Ironie und Parodie

Kurier am Sonntag, 12.10.2010

Ein einziges Vergnügen

Bremer Anzeiger, 12.10.2010

Operette wie neugeboren

Weser Report, 12.10.2010

Einfach zum Weinen schön

Bild, 18.12.2010

Diese Operette eint alle Kritiker: GROSSARTIG!

Der neue Merker, 8.12.2012

(…) „Viktoria“ wurde zum Fall ewig gestriger Stadttheater-Seligkeit; als seriöser Musiker war man gut beraten, die Finger von so etwas zu lassen.
Spätestens seit 17. November müssten solche Urteile grundlegend revidiert werden. Die Originalgestalt dieser Operetten war alles andere als der zuckerig-harmlose Kitsch, den die Fünfziger-Jahre-Bearbeitungen und die Operettenshows des jungen Fernsehens uns zugemutet haben. Im Gegenteil: Hier erklingt frech-witzige, glänzend instrumentierte, in viele Farben facettierte Musik.
(…) Auf diese Weise entsteht ein spritziges, lebendiges, freies Musizieren, inspiriert vom Augenblick und doch kontrolliert vom Dirigent. Und die angeblich massive Instrumentation weicht einem flexiblen, agilen Klangbild, das zeigt, warum die zeitgenössische Kritik Abraham als „glänzenden Instrumentationstechniker“ für ein „sprechendes Orchester“ rühmte.
Doch nicht genug der literarischen Rekonstruktion: Florian Ziemen hat gemeinsam mit den Bearbeitern, mit Jazz-Größen wie Reimer von Essen und mit seinen engagierten Orchestermusikern Detailstudien zur Instrumentation betrieben: „Wir haben alte Aufnahmen studiert, uns mit der Stilistik des Jazz der zwanziger Jahre beschäftigt und ein eigenes Workshop für Dinge wie Intonation oder Anblastechnik gehalten.“ Außerdem erklingen im Gießener Orchestergraben teils rekonstruierte, teils von Sammlern ausgeliehene Instrumente der Zeit, etwa spezielle China-Becken, die heute nicht mehr benutzt werden. Das erste der drei Saxofone ist ebenfalls ein historisches Instrument mit dem typisch schmeichelnd-weichen Ton der Zeit.
Das Ergebnis macht unglaublich Spaß und hebt die „gute alte“ Operette in die Sphäre der anarchischen, ironischen, vorlauten Unterhaltungsmusik der zwanziger Jahre. „Nur ein Mädel gibt es auf der Welt“ verwandelt die gummiartige Agogik früherer Versionen in ein unsentimental flottes Tanzlied mit aparten Kontrasten in der Begleitung und rhetorisch stimmigen Tempowechseln; „Rote Orchideen“ wird zum lyrischen Tanzlied und Viktorias „Wenn ich an die Heimat denke“ hält mit einer fragilen Begleitung durch Violine und Klavier zärtlich inne, während die „Mama aus Yokohama“ mit flott-phantastischen Saxofonen und einer virtuosen Tuba glänzt.
Auf einmal gibt es in der scheinbar so biederen Partitur unglaublich viel zu entdecken; die Lust am Erschließen und Genießen der Klangfarben Abrahams (oder seiner aktuellen Bearbeiter) trägt durch den langen Abend.
Gießen hat mit „Viktoria und ihr Husar“ eine beispielhafte Wiederentdeckung auf die Bühne gebracht. In diesem Haus lebt unter der Leitung von Intendantin Cathérine Miville ein frischer, lebendiger Geist, der manchen behäbigen Operntanker – zum Beispiel im nicht weit entfernten Wiesbaden – fröhlich hinter sich lässt. Andere Städte haben guten Grund, neidisch nach Gießen zu blicken.
Werner Häußner

Neue Musikzeitung, 4.1.2013

(…) Nun ist am Stadttheater Gießen mit der „Uraufführung der bühnenpraktischen Rekonstruktion“ eine frappierende Neuentdeckung zu hören und zu sehen.(…) Doch was man in Gießen, wo der operetten-erfahrene Erste Kapellmeister Florian Ziemen am Pult steht, aus dem Orchestergraben hört, klingt stringent, plausibel – und aufregend.
Andreas Hauff

klassik.com, 8.12.2013

(…) deren stilsicherer Umsetzung viel Sachkenntnis erfordert. Florian Ziemen bringt sie mit, da er sich über Monate ins Studium der Abraham-Aufführungspraxis vertieft hatte.
Und siehe da: Aus dem Gießener Orchestergraben rauschte schon im f-Moll-Vorspiel ein Sound hervor, der sich weitestmöglich von der Kölner Version unterscheidet. Da Ziemen auch sonst die Partitur viel aggressiver gestaltet, die Musik mit deutlich mehr Akzenten versieht, das Kölner Schlagzeug komplett gestrichen und Freude an den wilden improvisatorischen Momenten hat, ist seine Wiedergabe mit dem um einige Jazzmusiker aus Frankfurt angereicherten Philharmonischen Orchester Gießen eine echte Neuentdeckung der Partitur. Und: In vielen Fällen sind die fast strichlos gespielten Tanzsequenzen mit Xylophon und Banjos, zwei Klavieren und Saxophonen eine Freude. Da fegt das Orchester mit einer Lust dahin, die jede Reise in die hessische Provinz lohnend macht.
Dr. Kevin Clarke

Opernwelt, Juni 2012

(…) Über 120 Personen standen in der Bremer Uraufführung teilweise gleichzeitig auf der Bühne: Solisten, Chor, ein Kinderchor und 32 Jugenliche setzte Regisseur Michael Talke in seiner revueartigen Inszenierung ein. (…) Musikalisch hatte der Dirigent Florian Ziemen die Fäden fest in der Hand, geleitete Profis und Laien sicher durch das kompliziert geschichtete Geschehen. Bald war dem begeistert mitgehenden Publikum klar: Hier bestand ein junges Musiktheater erfolgreich die Feuerprobe. Ein glücklicher Wurf.

Taz, 2.5.2012

(…) 123 gleichzeitig neben-, über-, unter- und miteinander agierende Menschen hat Dirigent Florian Ziemen ausgemacht. (…) Damit die die Revue den HörerInnen nicht um die Ohren fliegt, klatschen, stampfen, schnipsen, schnalzen, klöppeln, schuhplatteln immer Dutzende Rhythmusarbeiter am Zusammenhalt. Das gelingt mit Verve.
Jens Fischer

Die Welt, 30.4.2012

(…) Dirigent Florian Ziemen hält mit großem Engagement nicht nur die insgesamt 120 Mitwirkenden, darunter der Opernchor und ein Kinderchor, zusammen, er balanciert auch äußerst gekonnt den Sound zwischen den Bremer Philharmonikern und der Rockband aus.
Sigrid Schuer

Weserkurier, 30.4.2012

(…) Florian Ziemen bewältigte am Pult der Bremer Philharmoniker die nicht leichte Aufgabe, den riesigen Apparat und die verschieden musikalischen Ebenen zu bündeln, mit Bravour. Herausgekommen ist ein verblüffendes musikalisch-klangliches Erlebnis besonderer Art.
Wolfgang Denker

Der Neue Merker, 06/2012

(…) Florian Ziemen, seines Zeichens Erster Koordinierter Kapellmeister am Theater Bremen, hat mit den Bremer Philharmonikern großartige Arbeit geleistet. Erstaunlich, wie er mit diesen “Neuen Künstlern” ein so straffes und zielstrebiges Dirigat hinlegen konnte! Unübersehbar und äußerst kollegial, vom Pult auf die Bühne, seine Hilfestellung bei den jüngsten Sängern.
Hermann Habitz

Weserkurier, 5.12.2011

Franz Lehárs Operette im Theater am Goetheplatz: Stars des Abends sind die Bremer Philharmoniker
(…) Die Stars des Abends aber waren Florian Ziemen und die Bremer Philharmoniker. Ziemen konnte zur Vorbereitung Einsicht in Lehárs Originalpartitur nehmen. Ziemen unterstrich eindrucksvoll die raffinierte Instrumentierung. Dabei tauchte er keineswegs alles nur in Schönklang, sondern arbeitete die in der Musik auch vorhandenen Härten heraus, etwa im Eingangschor des 2. Aktes. Den dramatischen Momenten gab er opernhaftes Format, den Arien geschmeidige Flexibilität. Eine rundum geglückte Wiedergabe!
Wolfgang Denker

Bremer Anzeiger, 7.12.2011

(…) Wunderschön – ganz unabhängig von jeglicher Inszenierung – ist dagegen die Musik: “Dein ist mein ganzes herz”, “Immer nur lächeln” und am Schluss “Schwesterlein, sollst nicht traurig sein” bezaubern in der Präsentation der Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Florian Ziemen.
Anton Walter

Radio Bremen, 5.12.2011

(…) Ein Operettenabend lebt natürlich von der Musik. Musikalisch wurde ein großartiger Abend geboten, ein Gipfeltreffen schöner Stimmen. Das Orchester, die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Florian Ziemen, spielte temperamentvoll und präzise. Erwähnenswert: Florian Ziemen wollte auch hier, wie beim “Vetter aus Dingsda” unbedingt die Originalfassung Lehars spielen. Er hat sich auf die Suche gemacht und die ursprüngliche Partitur tatsächlich aufgespürt – und zwar im Tresor des Bürgermeisters von Bad Ischl. Diese Version ist in Bremen erstmalig zu hören.
Margit Ekholt

Kreiszeitung, 5.12.2011

(…) Das Konfliktpotenzial des Stoffs schlägt sich in der Partitur nieder, die Florian Ziemen spannungsvoll, klanglich nuanciert und unter Ausmusizieren eines großen dynamischen Reichtums zum Klingen bringt. Das musikalische Salonstück wird zum subtilen Kammerspiel, in dem auch die bekanntesten Melodien im orchestralen Kleid neue Facetten erhalten, in dem strukturelle Raffinessen, die wechselnde Einbettung von Leitmelodien, Brüche und Umbrüche. Risse und Abstürze in dramatischer Zuspitzung Raum erhalten. Die spezielle Sprache der Operette, keineswegs gesunkenes Operngut, hat mit Ziemen einen hervorragenden Anwalt. (…) Zur Chronistenpflicht gehört die Schilderung der Publikumsreaktion: den größten Applaus erhielt der Dirigent, der Regisseur trat nicht vor das Publikum.
Rainer Beßling

Gießener Anzeiger 6.2.2014

Trügt der Eindruck oder ist es tatsächlich so, dass das Philharmonische Orchester Gießen von Mal zu Mal besser wird? Im Sinfoniekonzert am Dienstagabend präsentierte es sich jedenfalls unter der Leitung des Ersten Kapellmeisters Florian Ziemen in bestechender Form und entfachte bei der klangprächtigen Wiedergabe der Werke von Vincenz Lachner, Hermann Levi und Johannes Brahms allenthalben romantisches Glühen.
Thomas Schmitz-Albohn

Gießener Anzeiger, 10.3.2014

Unter der Leitung von Florian Ziemen konnte man das Philharmonische Orchester erneut in einer bestechenden Form erleben. Ziemen interpretierte die drei völlig unterschiedlichen Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts jeweils in einer anderen, künstlerisch hochwertigen Form und verlieh ihnen damit ihre besondere Färbung. (…) Es macht große Freude, dem Philharmonischen Orchester in dieser Form zuzuhören: Alle Mitwirkenden scheinen von der Leidenschaft der Musik angesteckt zu sein; sie spielen als erstklassige musikalische Einheit, intensiv und begeisternd, und das vom ersten bis zum letzten Ton.
Heiner Schultz

Gießener Allgemeine, 10.4.2014

Das reiche Klangerlebnis vom Dienstag ist Erstem Kapellmeister Florian Ziemen zu verdanken. Er führte das Philharmonische Orchester Gießen zu einer spannungsgeladenen Höchstleistung. In den Werken der jungen Romantik stets ein Garant für Qualität, spielten sich die veritablen Sinfoniker entrückt hinein
in die facettenreiche Schumann’sche Welt. Ziemen gab ein pulsierendes Tempo vor, die Musiker folgten mit spürbarem Spaß und sauberer Diktion. Der Finalsatz überstrahlte mit seinem glühenden Glanz das ganze Konzert.
Manfred Merz

Gießener Anzeiger, 14.2.2013

Ziemen zeigte schon im Allegro moderato eine wunderbare emotionale Differenziertheit, bei der ihm ein superb geschlossen musizierendes und hoch motiviertes Orchester die Arbeit erleichterte; die Philharmonie federte förmlich durch die Musik. (…) Nach einem schwungvoll, kompakt und klar musizierten Allegro bewies Ziemen im zweiten Satz erneut seine große Fähigkeit, die Binnendifferenzierung: Ganz klar und farbig wurden hier die Stimmungen entfaltet und besonders im Scherzo die Dinge geradezu bildhaft verdeutlicht. Riesenbeifall. Mit einem strahlenden Lächeln ging Leiter Florian Ziemen nach Entgegennahme von Applaus und Blumen ab. Dazu hatte er auch allen Grund: Das hatte nun wirklich gesessen.
Heiner Schulz